Slatnar Touring Bindung – Simpel und einfach mit neuen Ideen

Ich habe in den letzten Jahren immer wieder betont, wie wichtig mir Sicherheit und Performance bei Tourenbindungen ist. In dieser Grundeinstellung wird sich wohl auch nichts ändern, jedoch bin ich in den letzten Wintern immer wieder an die Limits dieser Mentalität gestoßen – 1500 hm und mehr mit schweren Ski, schweren Schuhen und eben schweren Bindungen hängt sich an.

Ich kam also zu dem Entschluss Pinbindungen für meine Touren zu suchen, die leicht sind, hohe Z-Werte haben und einfach in der Handhabung sind. In der Vergangenheit habe ich gute Erfahrungen mit den alten ATK Freeraider Bindungen gemacht, jedoch sind mir die neuen mit Preisen über 500 € zu teuer. Alternativ habe ich auch die Dynafit Rotation 14 getestet – eine gute Bindung, die sich nicht so direkt und “rattelig” anfühlt wie die alten ATKs, jedoch verhältnismäßig schwer mit über 600 g pro Ski ist, was wenig Unterschied zu einer Tecton oder Shift darstellt.

Dann war da noch die Kingpin – schwer, aber mit relativ guter Performance und einfach zu bedienen. Jedoch störte mich die flache Position am Ski und ich fühlte mich nie wirklich wohl damit.

Und schließlich kam in den letzten Jahren immer wieder die Salomon MTN oder das Äquivalent von Atomic, die Backland Bindung, zum Einsatz. Und ich muss sagen, für so eine kleine kompakte Bindung war die Performance schon richtig gut. Zwar sehr direkt und “rattelig”, aber die Position am Ski war sehr angenehm.

Ich fasste für mich nun vor über einem Jahr zusammen, was für mich eine Pinbindung können muss:

  • Z Wert von über 10, idealerweise Richtung 14
  • Simpel in der Handhabung
  • Wenig Teile damit wenig kaputt geht
  • Gute Kraftübertragung

Im Prinzip eine Mischung aus der alten ATK und der Salomon MTN.

Durch Zufall bin ich auf die slowenische Firma Slatnar gestoßen, die neben ihrem Hauptgeschäft Skisprung seit letztem Winter auch Tourenbindungen im Programm haben.

Ich habe Slatnar kurzerhand angeschrieben, ob sie mir für Testzwecke zwei Bindungen für meinen Norwegen-Trip zur Verfügung stellen würden. Ich bekam zwei Sets gratis gestellt und bei Slatnar in der Fabrik in Slowenien montiert.

Ersteindruck

Auf den ersten Blick sieht die Bindung sehr vielversprechend aus. Sie ist sehr leicht und einfach, da sie nur aus einer U-Feder am Heck, die um einen Turm rotiert, ein „Stomp-Pad“ oder Spacer für gute Kraftübertragung und eine einfach Pin-Front besteht.

Eigen ist jedoch das Skistopper-System, welches auf einer Metallplatte hinter der Front montiert wird und nach Belieben abgenommen werden kann.

Einen genauen Z-Wert gibt es ähnlich wie bei der Salomon MTN nicht, laut Auskunft dürfte die harte Feder im Bereich 9 bis 10 liegen. Normalerweise versuche ich immer im Mittelfeld der Z Angaben zu sein, um die Feder nicht auszuleiern. Da es bei der Slatnar Bindung keine Feder mit Einstellung gibt, habe ich hier auch kein Problem mit 9 oder 10. Da ich bei Pinbindungen immer zwischen 10 und 12 unterwegs bin, wäre mir hier aber ein höherer Auslösewert lieber gewesen.

Der Spacer am Heck lässt sich durch Lösen zweier Schrauben in der Höhe verstellen und kann so sehr exakt an jeden Schuh mit diversen Sohlen angepasst werden. Das Ganze ist etwas „fitzelig“, jedoch hatte ich den Vorgang schnell durchblickt und konnte während des Norwegen-Trips auch rasch zwischen den Schuhen und Skiern wechseln.

Das ganze System mit Skistopper wiegt ungefähr 460 g.

Performance

Aufstieg

Beim Einstieg in die Bindung an der Front merkt man schon, dass es keine Salomon mit dem großen Metallstopper ist, der ein Einsteigen in die Pins kinderleicht macht. Jedoch gewöhnte ich mich schnell daran, den einen Pin in den Schuh zu hängen und den Fuß Richtung anderen Pin zu kippen, was auch im steilen Gelände Sicherheit gibt.

Schnappt die Front dann zu, hat man zwar ein sicheres, jedoch etwas filigranes Gefühl. Der Bügel zur Arretierung der Fron rastet nur einmal ein, dafür satt und ordentlich.

Das Heck kann sowohl im Abfahrts- als auch im Aufstiegsmodus zum Gehen verwendet werden. Wenn man kurze Gegenanstiege bewältigen will, hat es sich für mich bewährt – ähnlich wie bei der Salomon Bindung – die erste Steighilfe einfach über die Pins zu klappen. Für flache Anstiege ist es so eher ungünstig. Wenn man einen Hang allerdings mehrfach fahren möchte, spart man sich beim Umbau einen Handgriff.

Die großen Steighilfen können einfach mit dem Stock bedient werden und werde durch einen Magneten an Ort und Stelle gehalten. Diese Magnete sind perfekt abgestimmt und machen schnelle Wechsel zwischen den Steighilfen sehr einfach.

Etwas fummelig hingegen ist das Arretieren des Skistoppers, der mittels Knopfdruck auf der Schiene entriegelt wird und ein Stück verschoben werden muss, bevor er erneut in der Aufstiegsposition verriegelt. Das klappte bei mir nach einiger Zeit immer besser, jedoch habe ich den Stopper zum Aufsteigen meist komplett heruntergenommen und habe so auch Gewicht am Ski gespart.

Abfahrt

Der Umbau zur Abfahrt gestaltet sich als ebenso einfach wie jener zum Aufstieg. Auch der Stopper ist in dieser Richtung deutlich einfacher in der Handhabung – Knopf drücken zum Entriegeln, verschieben bis er einrastet und fertig.

Lediglich das Einsteigen mit dem Stopper ist sehr gewöhnungsbedürftig, hat aber in der Abfahrt einen genialen Vorteil.

Die „lockere“ Gestaltung der Metallkonstruktion vorne und der soliden Bauart des Fersenteils machten es sehr leicht, das ganze System von Schnee und Eis zu befreien.

Einige Bindungshersteller verwenden bereits seit Jahren Spacer oder die Skistopper, um einen direkten Kontakt zwischen Sohle und Bindung herzustellen. So soll eine direkte Kraftübertragung gewährleistet sein, welche nicht so gut ist, wenn der Schuh nur in den Pins hängt.

Slatnar setzt hier noch einen drauf und bietet, neben dem Spacer hinten, nun auch mit der Stopper-Konstruktion einen direkten Kontaktpunkt des Skischuhs vorne.

Wie fährt sich die Bindung nun?

Um es kurz zu machen: Sehr gut! Die Slatnar Tourenbindung ist weit weniger rattelig wie andere Pinbindungen und hat man den Spacer sowie den Abstand zum Schuh korrekt eingestellt, fährt sich diese Bindung phänomenal.

In Norwegen konnte ich die Bindung in sämtlichen Bedingungen testen und hatte – sofern richtig eingestellt – immer ein gutes sicheres Gefühl. Im Powder und weichen Schnee sowieso, aber auch auf leicht firnigen oder eisigen Hängen war das Gefühl ein solides und sicheres.

Die Kraftübertragung ist direkt und man hat kein Spiel am Fersenteil, wenn man Ski und Schuh in den Schwung neigt.

Einschränkungen

Ich möchte hier kurz drei Dinge anmerken die mir nicht so gefallen haben, die ich aber lösen konnte und schließlich kein Problem darstellten.

Erstens – die Bindung fährt sich gut, sofern sie korrekt eingestellt ist. Weicht zum Beispiel die Schuhlänge zwischen links und rechts ab, würde ich mir einen linken und rechten Ski einstellen. Ich hatte zwei Fehlauslösungen, die ich darauf zurückführen kann. Ich reduzierte den Abstand zum Schuh um einen Klick am Heck und stellte mir einen linken und rechten Ski ein. Danach gab es keine Probleme mehr.

Zweitens – gerade am Anfang war der Verschluss der Pins vorne etwas hakelig bei einer der Bindungen, jedoch war das nach zehn Touren nicht mehr der Fall.

Drittens – der Stopper. Ich finde die Idee gut und man hat tatsächlich ein sicheres Gefühl beim Fahren. Jedoch fehlte mir stellenweise die Geduld, um diesen einzurasten. Im Endeffekt blieb der Stopper in Norwegen dann meist entweder im Rucksack oder gleich in der Unterkunft.

Zudem möchte ich hier noch meine grundsätzlichen Bedenken, was Pinbindungen angeht, loswerden. Anders wie vermarktet gibt es bei diesen Systemen keine Sicherheitsauslösung nach einer Norm wie bei Alpinbindungen. Das sollte man sich unbedingt beim Kauf einer Pinbindung (außer der Tecton oder Vipec von Fritschi) klar machen – diese Bindung löst anders aus und kann bei Fehlverwendung zu Verletzungen führen.

Fazit

Die Slatnar Tourenbindung ist eine solide Bindung mit einigen neuen Ideen für manche Probleme. Sie fährt sich hervorragend, wenn sie richtig eingestellt sind.

Ich würde mir lediglich deutlich höhere Z-Werte wünschen, um auch als schwerer Fahrer Reserven zu haben.

Insgesamt ist die Bindung also definitiv eine sehr gute Alternative zu den alteingesessenen Herstellern, die mit halbwegs erschwinglichen Preisen daher kommt.


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