OpenWear „Open One“ 3L Shell Set – Eine ökologische Alternative zu GoreTex

Bereits seit letztem Jahr bin ich mit der Freeride- und Skitouren-Bekleidung der Firma OpenWear unterwegs. Für dieses Jahr habe ich ein zweites Set für einen ordentlichen Langzeittest zur Verfügung gestellt bekommen, da ich ja letztes Jahr aufgrund meines Unfalles verhindert war und dabei auch mein, zu dem Zeitpunkt neues Shell Set, ziemlich in Mitleidenschaft gezogen habe.

Wer sind OpenWear eigentlich? Das sagen sie selbst über sich:

„We are Open Wear. A collective of passionate skiers and snowboarders.
As a collective of passionate skiers and snowboarders we can change
the outerwear industry, we believe in a sustainable future.
By selling directly to you, we can offer the best sustainable
outerwear at an affordable price.“

Ich bin kein Fachmann was Recycling von Materialien oder erneuerbare Energie angeht. Ich vertraue den Leuten, die hinter OpenWear stecken, jetzt einfach mal was diese Aspekte angeht, zumal sie einiges daran setzen Prozesse sowie Produktionsstätten offenzulegen. In den Open One Shells wird die Membran der Firma XPore verwendet, die sich das ambitionierte Ziel gesetzt hat bis 2024 zu 100 % mit recycelten Materialien zu arbeiten. Aktuell wirbt diese Firma damit ihre Membran Xpore Xtreme aus 58 % Bio-PET und 42 % Polyester herzustellen. Auf die Verwendung von PTFE (Polytetrafluorethylen) oder besser bekannt als Teflon wurde komplett verzichtet.

Neben einer kompletten Wiederverwendbarkeit der Membran wurde auch bei den anderen Materialien darauf geachtet lediglich eine Art von Plastik zu verwenden, um diese leichter wieder recyclen zu können.

Um dennoch den Preis niedrig und konkurrenzfähig halten zu können, vertreibt OpenWear ihre Kleidungsstücke nur direkt über den niederländischen Onlineshop Snowcountry. Um dennoch die passende Größe zu finden, bieten sie aber eine sehr detaillierte Tabelle an, mit der es mir sehr leicht fiel, die richtige Größe zu bestellen. Es gibt neben den Standardgrößen auch die Größen M und L in einer langgestellten Variante, die dann auch für schlaksige Menschen passen sollte.

Im Großen und Ganzen klingt das alles sehr vielversprechend – aber taugt diese ökologisch vertretbare Shell auch etwas?

Material

Wenn man sich die Fotos auf der Website ansieht, rechnet man doch eher mit einer dicken und auch steifen Shell. Das ist überraschenderweise zum Glück nicht der Fall. Das Material ist – für eine Shell – angenehm weich und raschelt nicht so wie jene anderer Hersteller. Zudem ist das Material auch relativ dünn und trägt sich sehr angenehm. Auch den einen oder anderen Baum- oder Felskontakt hat der Stoff super mitgemacht und ist nicht gerissen oder stark abgewetzt.

Die Farben von OpenWear sind allesamt eher gedeckt und nicht wirklich knallig, was ich aber im bunten Outdoor-Bekleidungs-Dschungel doch als sehr angenehm empfinde.

OpenOne 3L Shell Pants

Kurz eine gute Hose mit einem sehr grandiosen Feature und einigen noch nicht ganz fertig durchdachten Details mit viel Potential – mit einem Haken!

Das einzig Negative vorweg: Ich finde es sehr schade, dass bei einer Firma die mit Öko, Recycling und Langlebigkeit wirbt, die Naht meiner beiden Hosen im Schritt bereits durchgewetzt sind oder kurz davorstehen. Und das bei nur knapp über bzw. knapp unter 30 Skitagen (Touren und Freeriden sowie Piste fahren zusammengerechnet). Das ist leider ein eher kurzer Verwendungszeitraum, wenn man sich anderen Hersteller aus dem skandinavischen Bereich ansieht, wo Hosen teilweise mehrere hundert Tage problemlos halten.

Ich versuche derzeit eine Lösung zu finden – nähen, kleben, etc. – ich werde in einiger Zeit hier ein Update geben.

Nun aber zu dem einen Feature, welches mich begeistert. Ich bin jemand dem beim Tourengehen immer zu heiß ist und auch absolut nicht leistungsfähig ist, wenn mir zu heiß ist – was vor allem an sonnigen Tagen in südseitigen Hängen quasi immer der Fall ist. Nun bietet diese Hose aber die Möglichkeit einen Belüftungsreißverschluss an der Innen- UND an der Außenseite des Oberschenkels zu öffnen und so eine super Luftzirkulation um die Oberschenkel zu liefern. Dieses Feature ermöglicht es mir, mich halbwegs in ein erträgliches Maß abzukühlen, ohne auf die Vorteile einer Shell-Hose verzichten zu müssen.

Die Hose hat zwei Oberschenkeltaschen, die groß genug sind für ein LVS-Gerät auf der einen und meinem Handy (Abstand > 20 cm), einem Riegel und meinen Handschuhlinern auf der anderen Seite. Ich trage mein LVS-Gerät immer in der linken Oberschenkeltasche, so habe ich es schnell griffbereit und verhindere auch Interferenzen mit anderen Geräten wie Uhr, Brustgurt zur Pulsmessung, etc. In der rechten Tasche gäbe es allerdings ein Band mit einem kleinen Haken, um das LVS-Gerät anhängen zu können, was meiner Meinung nach auf die linke Seite gehört – der Großteil der Menschen ist Rechtshänder und wird eher das Mobiltelefon auf der rechten Seite tragen wollen.

Zusätzlich gibt es noch je eine Gesäßtasche rechts und links, in der sich Kleinigkeiten verstauen lassen.

Alle Taschen sind in Kombination mit einem Klettergurt kompatibel und können wie gewohnt erreicht werden, sollte es doch einmal auf einen Gletscher oder über eine Steilwand am Seil hinab gehen.

Die Reißverschlüsse sind ordentlich verarbeitet, leichtgängig und halten dicht.

Die Hose verfügt neben richtig großen Gürtelschlaufen auch über einen integrierten Gürtel mit Klettverschluss, der auch super funktioniert. Was mir leider am Bund fehlt ist eine Fixierungsmöglichkeit für Hosenträger. Ich bin grundsätzlich ein Freund von Bib-Shells (Latzhosen) und habe mir extra Hosenträger gekauft, die auch gut am Bund halten und ihren Zweck erfüllen.

Die Beinabschlüsse sind ausreichend verstärkt, würden aber einen direkten Kontakt mit einem Steigeisen, wie die meisten verstärkten Hosenabschlüsse, nicht überstehen.

Die Gamasche ist eng genug, um den Schnee aus der Hose zu halten, aber dennoch locker genug, um leicht an die Schnallen der Skischuhe zu kommen.

Wenn das Problem mit den Nähten nicht wäre, hätte ich der Hose das Prädikat fast perfekt mit Potential zur perfekten Hose gegeben. So ist es eine hervorragende Hose mit top Features mit einer kleinen Kinderkrankheit – die hoffentlich bald ausgebessert wird.

OpenOne 3L Jacket

Ich habe die OpenOne 3L Jacket sowohl in der normalen Größe L als auch in der langgestellten Größe L getestet. Die normale L hört bei mir gerade mit dem Bund unten an meinem Po auf. Was mich dann doch etwas gestört hat, da ich gerade bei Boot-Packs den Bund mit dem Gummiband zur Weitenverstellung immer gespürt habe. Die lange Größe L reicht unter mein Gesäß und fühlt sich insgesamt besser an was die Passform angeht – sie braucht leider auch etwas mehr Platz.

Neben der Weitenregulierung am Bund unten hat die Jacke auch Gamaschen an den Händen mit Daumenschlaufen, die ein Eindringen von Schnee perfekt verhindern. Zusätzlich gibt es an den Ärmelabschlüssen Klettverschlüsse, um die Weite zu regulieren. Am linken Oberarm gibt es eine kleine Tasche für Skikarten und eine kleine Innentasche an der rechten Seite.

Der Schneefang ist auch angenehm – nicht zu weit und nicht zu eng. An der Vorderseite hat die Jacke insgesamt vier Taschen, je eine Napoleontasche rechts und links und weiter unten vor dem Bauch auch je eine links und rechts. Ich hätte mir erhofft, dass in der langen Größe die beiden unteren Taschen unter den Hüftgurt meines Rucksacks wandern und ich diese auch mit angezogenem Rucksack erreichen kann. Leider ist das nicht der Fall. Dennoch nutze ich diese Taschen für etwaigen Kleinkram, den ich gerne griffbereit habe, wie zum Beispiel eine Haube oder Snacks.

Wie bei Shell-Jacken üblich gibt es unter den Armen großzügige Belüftungsmöglichkeiten und auch der Frontreißverschluss kann von oben und von unten geöffnet werden.

Einzig die Kapuze hat Verbesserungspotential – diese lässt sich leider nicht wirklich gut an den Kopf anpassen, obwohl ein Gummizug vorhanden ist. Wenn der Wind von vorne kommt, wurde mir die Kapuze immer vom Kopf nach hinten geblasen, was den ganzen Sinn einer Kapuze ja zunichtemacht, wenn diese nicht dort bleibt, wo sie sein sollte.

Performance

Ich fasse hier die grundsätzliche Performance der Shells zusammen, da ich die einzelnen negativen Punkte ja schon erwähnt habe.

Kurz gesagt, gibt es was die Leistung angeht, nicht viel zu sagen – Jacke und Hose halten trocken, trocknen selbst wieder schnell, sind extrem atmungsaktiv und machen alle Abenteuer mit.

Ich hatte mit der Kombination aus Jacke und Hose immer das Gefühl, mich optimal auf die Temperatur einstellen zu können. Neben den unzähligen Belüftungsmöglichkeiten hatte ich aber trotzdem das Gefühl, dass wenn diese geschlossen sind (Sturm z.B.) das Material sehr atmungsaktiv ist und ich nicht so extrem ins Schwitzen gerate wie es mit anderen Shells der Fall gewesen wäre. Meinen Bedürfnissen kommt natürlich auch die dünne Materialstärke zugute, da diese zwar die Elemente draußen hält, sich aber je nach Schicht darunter, sehr gut temperieren lässt.

Für Touren habe ich meist ein dünnes Set aus Merinounterwäsche an und darüber lediglich einen dünnen Fleecepulli. Zur Abfahrt werden nur die Belüftungen an der Hose geschlossen sowie die Jacke angezogen und ab geht es.

Für Tage am Lift tausche ich die dünne Unterwäsche gegen eine dickere Merinounterwäsche und auch der Pulli wird dicker, aber im Grunde bleibt das System das gleiche.

Auch an sehr feuchten Tagen mit nassem Schneefall oder regnerischen Tagen hat mich die Shellkombination hervorragend trocken gehalten und hat mich, was das angeht, voll überzeugt. Lediglich die Imprägnierung war schnell weg, was der Wasserdichtheit nicht geschadet hat. Ich habe einfach eine neue Schicht aufgesprüht und die Tropfen sind wieder abgeperlt.

Auch eine Maschinenwäsche im Outdoor-Schonprogramm hat das Material gut mitgemacht und sieht danach fast wie neu aus.

Fazit

In Summe ein sehr gutes Shell-Set aus Jacke und Hose fürs Skifahren, Tourengehen und Freeriden mit derzeit noch kleinen Kinderkrankheiten und einem Potential für meine perfekte Shell.


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