Diagnose Myokarditis – Wenn die Pumpe „Stopp“ schreit

Ich habe lange – sehr lange – überlegt ob ich diesen, doch sehr privaten Einblick hier niederschreiben soll oder nicht. Nachdem ich mir vor einem Jahr gewünscht hätte, einen solchen Beitrag lesen zu können, habe ich mich dazu entschlossen ihn jetzt doch hochzuladen – zumal er schon ein halbes Jahr fertig ist. Ich hoffe das ich damit dem Einen oder Anderen in einer ähnlichen Situation Mut machen kann!

In Teil 1 könnt ihr nachlesen was passiert ist und wie es mir erging. In Teil 2 (bald hier) könnt ihr dann nachlesen wie ich mich zurück gekämpft habe. Viel vergnügen!

Es ist Ende September, ich bin gut drauf – dachte ich zumindest – körperlich fit und ich war der Überzeugung mich könnte nichts aufhalten… Und dennoch liege ich jetzt im Krankenhaus, verkabelt und voll mit Schmerzmitteln, Antibiotika und Entzündungshemmern. 

Wie kam es soweit? 

Einfach gesagt – mein Kopf hat dem Körper zu viel zugemutet! Es war ein stressiges, ziemlich mieses Jahr und ich versuchte dem Stress und den negativen Gedanken durch Sport zu entkommen… zu viel Sport! 

Eigentlich war es eine Bergtour wie fast jede andere. Gemeinsam mit zwei guten Freunden bestieg ich den Großglockner und als Bergerfahrenster übernahm ich auch viel Verantwortung für die beiden! 

Es begann wie immer… Wir starteten um 5:25 in der Dunkelheit, immer weiter bis zum Gletscher, wo wir unter der aufgehenden Sonne alles Nötige für die nächsten Abschnitte anlegten. Es ging ganz normal voran – Klettersteig, Adlersruh und Eisleitl. Doch in der Glocknerscharte fingen die Probleme an – drei tschechische Seilschaften legten den Berg für 2 Stunden lahm und es ging weder vor noch zurück! Stress und Hektik machte sich breit und ich versuchte meine beiden Begleiter heil da durch zu bringen.

Endlich am Gipfel angekommen, hielten wir nur kurz inne – zu diesem Zeitpunkt merkte ich, wenn ich daran zurückdenke, dass etwas nicht passte – und begannen mit dem ebenso zähen Abstieg.

Endlich auf der Adlersruh war ich völlig fertig – aber ich dachte, dass das schlicht die Anstrengung war. Weiter ging’s bergab und ich fühlte mich immer eigenartiger und seltsamer – aus heutiger Sicht weiß ich warum. 

Um 20 Uhr kamen wir dann endlich beim Auto an und traten die Heimreise an, bei der zum Glück alles gut ging. 

Während des nächsten Arbeitstages am Montag fühlte ich mich zunehmend schlechter, schwächer und zu Dienstende hin auch krank. Es machte sich ein Unwohlbefinden in meiner Brust breit, das schließlich zu Schmerzen wurde. Ich schob das auf’s Seil-tragen und dadurch entstandene Verspannungen – insgeheim jedoch wusste ich es schon. Kurz vor Dienstschluss ging es mir dann wirklich mies, hatte 38 Grad Fieber und ich ließ mich für den nächsten Tag krank schreiben. Am Heimweg hatte ich bereits schlimme Schmerzen, wollte es aber einfach nicht wahr haben – „Das kann nicht sein! Nicht ich!“

Am nächsten Tag in der Früh um 4 Uhr wurde ich dann von den Schmerzen geweckt! Ich wusste nicht mehr, wo mir der Kopf vor Schmerzen steht – ein Brennen und Drücken und Ziehen und Angst. 

Ich rief die Rettung und wurde mit Notarzt ins Krankenhaus gebracht. Mit Schmerzmitteln versorgt landete ich auf der Notaufnahme und kam kurz darauf auf die kardiologische Station in eines der Überwachungszimmer und wurde für die nächsten sieben Tage verkabelt.

An die ersten Tage im Krankenhaus kann ich mich kaum erinnern – lag wahrscheinlich an meinem Zustand und den starken Medikamenten, die ich bekam. Es ist ein sehr unbegreifliches Gefühl, wenn alles anstrengend ist – sitzen, essen, im Bett umdrehen. An Tätigkeiten wie fernsehen oder lesen war gar nicht zu denken! 

Während dieser ersten Tage hörte ich verschiedenste Prognosen und Krankheitsdauern. Je nachdem, welcher Arzt da war, hörte ich von 4 Wochen bis 6 Monate keine Belastung. Unabhängig davon fiel es mir sehr schwer, die Situation so zu akzeptieren, und einfach hinnehmen zu müssen, nicht weglaufen zu können – so wie ich es immer gemacht habe während der letzten Jahre. Einfach weg und den Kopf frei bekommen und voll fokussiert auf das, was vor einem liegt – ein einsamer Pfad, eine steile Skiabfahrt oder eine Kletterpassage am Großglockner.

Die Untersuchungen in den nächsten Tagen bestätigten dann den Verdacht der Ärzte und die Diagnose Peri-Myokarditis stand fest – Eigentlich waren wir uns alle auch vorher einig, aber sicherheitshalber wurde noch mittels MRT kontrolliert.

Mir blieben leichte Narben und für kurze Zeit ein kleiner Erguss zwischen Herzmuskel und Herzbeutel, aber beides beeinträchtigt meine Auswurfleistung des Herzens nicht. Auch meine verminderte Herzleistung der ersten Tage besserte sich bald und die Prognose schien immer besser zu werden – trotz des eher schweren Verlaufs. Auch die Tatsache, dass sich die Herzenzyme im Blut wieder senkten und sich auf ein fast normales Niveau bewegten beruhigte mich sehr.

Nach 10 Tagen durfte ich dann endlich nach Hause! Und so begann die eigentliche Herausforderung – sämtliche alltäglichen Tätigkeiten brauchten sehr viel Energie, die ich nicht hatte. Geschirrspüler ein- und ausräumen war eine Tagesaufgabe mit vielen Pausen, in denen ich schlief. Ich musste mir angewöhnen baden zu gehen anstatt duschen, da stehen für die paar Minuten unmöglich war. Kochen war unmöglich und ich war heilfroh, versorgt worden zu sein.

Ich dachte auch immer, ich wär nicht so sehr angewiesen auf soziale Kontakte und Nähe – ich lag falsch! Die vielen Wochen alleine daheim ohne rauszukommen waren hart. Aber auch hier habe ich dazu gelernt und kenne mich jetzt in einigen Punkten viel besser.

Ich vermute wegen den Entzündungshemmern, die ich zu dem Zeitpunkt noch dreimal am Tag nehmen musste, konnte ich mich auch kaum konzentrieren und ich war nicht in der Lage, Zeit mit Konsolenspielen, nicht mal im halbliegen, totzuschlagen – außerdem war es die ersten Wochen sowieso zu anstrengend.

Also blieb mir nichts außer Fernsehen, den aktuellen Bergsportmarkt zu durchforsten und vom Skifahren zu träumen.

In der Zeit schwor ich mir nicht mehr so dumm zu sein und mehr auf meinen Körper zu hören und dann auch dementsprechend zu handeln und mehr auf mich zu schauen. Ich schwor mir auch wieder so bald es geht Skifahren zu gehen und Skitouren zu absolvieren – einfach wieder im Schnee sein.

Anfang Dezember startete dann die Reha und ich war sehr aufgeregt, endlich wieder Sport machen zu können. Die ersten Einheiten waren noch ungewohnt, fühlten sich aber gut an! 

Es ging nun schnell bergauf und es ging mir immer besser. Die Endkontrolle – ein Belastungs-EKG – war sogar überdurchschnittlich und ich schöpfte daraus viel Kraft und Motivation. 

Ende Jänner war es dann soweit und ich stand endlich wieder auf Ski. Ein Gefühl, das man erst versteht, wenn man in einer ähnlichen Lage war – unwissend, ob man überhaupt wieder gesund wird, dauernde Zweifel, Wut auf einen selbst, so dumm gewesen zu sein… 

Ich bin wieder gesund geworden, aber ehrlich gesagt war das wohl eher Glück – eine Herzmuskelentzündung ist keine Kleinigkeit und das musste ich erst mal akzeptieren und muss es mir jetzt noch immer öfter ins Gedächtnis rufen. 

Es ist jetzt knapp über ein Jahr her und ich habe vor Kurzem eine weitere Leistungskontrolle gemacht. Diese war höchst erfreulich und mein Arzt meinte dazu „Das ist einfach nur gut!“ Ich bin jetzt fitter und stärker denn je und kann ohne Bedenken die nächsten Touren angehen.

Ich habe aus der Zeit gelernt und werde einige Fehler nicht mehr machen! Es gibt definitiv ein „zu viel Sport“ und ich werde das in Zukunft tunlichst vermeiden. Ich werde auch besser auf mich hören und bei einer Erkältung einen oder zwei Tage länger nichts tun.

Eventuell hilft das dem einen oder anderen und erspart sich so etwas. 

Schaut auf euch! Man hat nur einen Körper – hört darauf!


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