OGSO Grand Daddy im Test – Die Evolution eines Klassikers

Ich bin nun schon seit einigen Jahren auf Skiern von OGSO Mountain Essentials unterwegs. Meine Reise mit OGSO begann eigentlich mit den alten Superrocker-Modellen, allen voran dem legendären Schwarztor. Später folgten die Ski der Neoteric-Serie, wie der Couturier. Während diese eher klassischen Ski zwar für Präzision und steile Lines gebaut waren, hatten sie eine Eigenheit: Durch das fehlende Rocker-Profil vor allem am Heck machten sie oft Probleme beim Lösen der Kante und „verbissen“ sich im Schnee gerne mal am Kurvenende – vor allem wenn die Bedingungen nicht optimal sind oder man erschöpft nach einem langen Aufstieg ist.

Mit dem neuen OGSO Grand Daddy aus der überarbeiteten Ultra Tour Serie hat OGSO nun ein Paket geschnürt, das genau diese Kritikpunkte adressiert. Ich hatte den Ski diesen Frühling ausgiebig in Norwegen im Einsatz.

Was hat sich geändert?

Der Grand Daddy wurde im Vergleich zum Vorjahresmodell komplett auf den Kopf gestellt, welches ich zwar gefahren bin, aber noch Kinderkrankheiten hatte. Während die Grund-DNA erhalten blieb, stecken die entscheidenden Nuancen im Shape und im Lay-up. Auffälligste Neuerung ist der Verzicht auf die für OGSO bisher so typische, extrem lange Skitip.

  • Shape & Taper: Der Ski hat nun wesentlich kürzeren Early Taper an Tip und Tail.
  • Geometrie: Das führt dazu, dass der Grand Daddy bei gleicher Mittelbreite und identischem Radius wie der Grizzly über eine deutlich breitere Schaufel und ein breiteres Heck verfügt. Dieser neue Shape sorgt trotz der kürzeren Schaufel für einen massiv verbesserten Auftrieb im Pulverschnee.
  • Profil: Dezente Rockerformen vorne und hinten sorgen für deutlich mehr Agilität im Vergleich zu den alten Neoteric-Modellen.
  • Specs (selbst nachgewogen): 1750 g bei 186 cm Länge (2100 g inkl. Bindung).
  • Dimensionen: 106 mm Mittelbreite bei einem 19 m Radius.

Das Mehrgewicht im Vergleich zu extremen Leichtbau-Tourenski ist hier absolut gewollt. Es verleiht dem Ski die nötige Laufruhe und Dämpfung, die man braucht, wenn man eben nicht nur im perfekten Powder, sondern auch in zerfahrenem Gelände oder bei wechselnden Bedingungen Gas geben will.

Auf Tour in Norwegen

Norwegen bot dieses Jahr die perfekte Testumgebung: Von hart gefrorenen Rinnen am Morgen bis hin zu butterweichem Firn am Nachmittag und an den ersten Tagen auch einige Schwünge im Powder.

Auf langen Touren mit über 1500 Höhenmetern und 20 Kilometern Strecke spielt das Gewicht eine Rolle. Mit einem Gesamtgewicht von 2100 g pro Ski (inkl. Bindung) ist der Grand Daddy zwar kein reiner Aufstiegsski, aber er ist leicht genug, um auch nach fünf Stunden Aufstieg noch Reserven für die Abfahrt zu haben.

Die wahre Stärke zeigte sich jedoch beim ersten Schwung. Wo die alten Neoterics am Kurvenende noch störrisch sein konnten, lässt sich der neue Grand Daddy extrem einfach aus dem Turn lösen – er schmiert im Firn förmlich bei Bedarf um die Kurve. Er ist sehr präzise und verzeiht dennoch mal einen Fahrfehler, ohne dass das Heck sofort im Schnee hängen bleibt. Besonders beeindruckend ist, wie der Ski im Pulver oben aufschwimmt – der neue Shape mit der breiteren Tip generiert einen hervorragenden Auftrieb, der auch bei 106 mm Mittelbreite echtes Surf-Feeling aufkommen lässt.

Aufgrund der langen effektiven Kante ist der Ski in der Abfahrt ein echter Allrounder: Er fühlt sich bei präzisen Kurzschwüngen in steilen Flanken oder engen Rinnen absolut zuhause, macht aber genauso viel Spaß, wenn man ihn auf offenen, freien Hängen mit weiten Schwüngen und höherem Tempo laufen lässt. Dabei profitiert der Ski definitiv von einer guten und aktiven Skitechnik. Der neue Sidecut und das Rocker-Profil sorgen dafür, dass er stabil genug bleibt, um bei hohen Geschwindigkeiten nicht nervös zu werden. Das muss man natürlich immer in Relation zum Gewicht sehen: Ein massiver Titanal-Ski mit 2,2 kg (ohne Bindung) liegt zwar noch satter und stabiler im Schnee, wäre für lange Tourentage aber schlichtweg ungeeignet.

Mein SetUp

Ein Ski ist nur so gut wie das System, auf dem er steht. Ich fahre den Grand Daddy in Kombination mit der Tyrolia Almonte.

Besonders hervorzuheben ist hier der Freeride-Spacer. Dieser schließt die Lücke zwischen Skischuh-Sohle und Ski, was die Kraftübertragung massiv verbessert. Das Ergebnis ist ein Setup, das sich in der Abfahrt sehr solide und direkt anfühlt, und im Aufstieg vom geringen Gewicht einer Pin-Bindung profitiert. Mit insgesamt 2100 g inklusive Bindung ergibt das für mich aktuell die ideale Kombination für ernsthaftes Freetouring.

Ich habe die Almonte +1,5 cm vor der klassischen Montage-Empfehlung des Grand Daddy montiert. Damit rückt man zwar etwas nach vorne, steht aber nicht ganz auf der extremen „Newschool“-Markierung. Für mich ist das der perfekte Kompromiss: Der Grand Daddy gewinnt dadurch spürbar an Drehfreudigkeit und lässt sich im engen oder verspurten Gelände deutlich spielerischer bewegen, ohne dass man bei schnellen, weiten Turns nennenswerte Abstriche bei der Tempostabilität machen muss.

Grand Daddy vs. Grizzly

Wer einen Blick auf das aktuelle Line-Up von OGSO wirft, dem stellt sich unweigerlich die Frage, welcher der beiden Ski am Ende den Vorzug erhalten sollte. Um diese Entscheidung zu treffen, muss man vor allem die Grundkonzeption verstehen:

  1. Der Grizzly: Er ist von seiner DNA her als Freerider gedacht. Nun bedeutet Freeride nicht automatisch „verspielt“ – klassische Freeride-Ski sind oft schwer und auf maximale Stabilität ausgelegt. Der Grizzly verpackt diese Stabilität jedoch in einen Ski, der je nach Montagepunkt und gewählter Länge sowohl laufruhig als auch überraschend verspielt und drehfreudig sein kann. Er ist damit sehr fehlerverzeihend und ideal für Freeride-Einsteiger, aber auch für Fortgeschrittene oder Experten in einer längeren Länge, deren Fokus voll auf der Abfahrt und kreativen Lines liegt.
  2. Der Grand Daddy: Er ist als reinrassiger Freetouren-Ski konzipiert. Er fährt sich „länger“ und verlangt nach einer aktiveren Fahrweise, bietet dafür aber die Präzision, die man im technischen Gelände sucht. Er ist das Werkzeug für den fortgeschrittenen Tourengeher, der den perfekten Kompromiss aus Aufstieg und starker Abfahrtsperformance sucht. Ich empfehle ihn etwa in Körpergröße zu wählen oder darüber, wenn das Skikönnen stimmt.

Fazit

Der OGSO Grand Daddy ist erwachsen geworden. Die Kinderkrankheiten der alten Generation sind Geschichte. Er ist stabil, extrem vielseitig und bietet ein hervorragendes Gewicht-Leistungs-Verhältnis. Aufgrund seiner sportlichen Eigenschaften und der nötigen Skitechnik, die er verlangt, richtet er sich ganz klar an den fortgeschrittenen Tourengeher. Einsteiger oder Freetourer, die ein fehlerverzeihenderes und spielerisches Handling suchen, greifen hingegen lieber zum Grizzly. Wer jedoch die entsprechende Technik mitbringt und einen kompromisslosen Partner für große Abenteuer sucht, wird mit dem Grand Daddy vollends glücklich.

Hinweis: Ich habe den Ski von Ogso zur Verfügung gestellt bekommen. Dieser Test spiegelt meine persönlichen Erfahrungen wider. Das Setup wurde selbst zusammengestellt und im harten Einsatz auf Herz und Nieren geprüft.


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