Der Ogso Couturier – Ein Ski für hohes Tempo und steile Lines

Auch dieses Jahr bekam ich die Möglichkeit einen neuen Ski von Ogso zu testen. Vorweg – ich habe den Ski gratis zur Verfügung gestellt bekommen, was aber meine Meinung nicht beeinflusst!

Der Winter war sehr kurz für mich – zuerst die Folgen der Herzmuskelentzündung bis in den Jänner und später im Jahr die Corona-Krise. Dennoch konnte ich ein paar Tage bei verschiedensten Bedingungen auf dem Couturier verbringen und mir ein gutes Bild davon machen.

Ich hab den Ski in einer Länge von 186 cm getestet – die gleiche Länge wie der Schwarztor (Test hier) und der Diable (Test hier) die ich letztes Jahr testen durfte. Der Couturier hat in dieser Länge 106 mm unter der Bindung und wiegt knapp 1575 g pro Ski. Ich werden den Couturier in diesem Testbericht öfter mit dem Ogso Schwarztor vergleichen, da sich beide bei Gewicht und Abmessungen sehr ähnlich sind.

Getestet habe ich den Ski mit einer Salomon Shift MNC Bindung und meinen Atomic Hawx Ultra 130 XTD bzw. später in der Saison mit den neuen K2 Mindbender 130 – also ein sehr abfahrtsorientiertes Setup, mit dem es sich bei knapp über 2,4 kg pro Ski inklusive Bindung auch noch gut touren lässt.

Das sagt der Hersteller (stand März 2020)

THE BRAND NEW COUTURIER 100S FACILITATES TURNS AND PERMITS YOU TO PIVOT. IT’S ENERGETIC AND VERSATILE.

The Couturier ski ensures a balanced skiing, so you float smoothly and relaxed having an absolute exceptional experience. It gives an ease in the steep and in the very technical terrain or in the trees. At the same time you can go amazingly fast and stable.

Länge: 186 cm

Skibreite: 138 – 106 – 122 cm

Gewicht pro Ski: 1,575 kg

Radius: 22 m

Effektive Kante: 1,42 m

Konstruktion

Hat man nur die Zahlen vor sich könnte man denken, dass der Couturier und der Schwarztor identisch sind – gleicher Sidecut, gleiche Länge, gleiches Gewicht. Aber wie so oft sind es die zweiten Blicke, die vieles verraten.

Im Gegensatz zum Schwarztor, der mit Ogsos Superrocker ausgestattet ist, kommt der Couturier eher klassisch daher. Er hat einen langen Bereich mit Vorspannung, minimalen Tailrocker, die early-taper Tip der anderen Ogso Ski und einen kurzen Frontrocker. Die Vorspannung fällt nicht extrem aus und wird von der Tip zur Bindung hin zuerst nur langsam mehr.

Der Flex des Couturier ist relativ hart, befindet sich aber noch im Rahmen und bietet auch einige Vorteile für den sportlichen Fahrer, da man sehr viel vom Ski retour bekommt.

Auch optisch ist für mich der Couturier ein echter Hingucker – schlichtes aber interessantes Design und ein knalliges Grün im Kontrast zum Orange der Superrocker-Ski.

Performance

Zur Aufstiegsperformance werde ich nicht wirklich etwas sagen, da sich diese zum Schwarztor kaum unterscheidet und kann im Test des Schwarztor (hier) nachgelesen werden. Lediglich die längere Vorspannung und effektive Kante machen sich bei harten, eisigen Aufstiegen positiv bemerkbar.

Die Abfahrtsperformance ist wie zu erwarten super! Positiv überrascht hat mich die Drehfreudigkeit und Leichtigkeit des Skis. Was ich schon im Vorfeld aufgrund der Konstruktion erwartet habe, ist, dass der Ski sehr viel Feedback gibt, sehr direkt reagiert und bei weiten Schwüngen ab mittlerem Tempo und vor allem in steilem Gelände richtig Freude macht.

Man hat das Gefühl, dass man jede Unebenheit oder Veränderung im Schnee ab der Schaufel sofort merkt und sehr präzise gegensteuern kann, was ihn sehr direkt und exakt zu fahren macht.

Der große Unterschied zum einfacher zu fahrenden Schwarztor ist, dass man merklich mehr arbeiten muss und zentraler, sowie stabiler über dem Ski stehen sollte – der Couturier verzeiht weniger Fehler wie der Schwarztor. „High effort – high reward“ und zwar bei jedem Schnee.

Ein weiterer Unterschied ist, dass der Couturier wesentlich mehr „Pop“ und Beschleunigung am Kurvenausgang bietet, was mir beim Schwarztor manchmal etwas fehlte, ihn aber kraftsparender macht, da man nicht so sehr dagegenhalten muss.

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Der Couturier ist eindeutig nicht so kräfteschonend wie der Schwarztor! Macht aber extrem viel Spaß, wenn man es „so richtig krachen lässt“.

Ich hatte mit dem Couturier (genauso wie mit dem Schwarztor) sogar im Bruchharsch „Freude“ – zumindest hatte ich mehr Spaß wie der Rest der Gruppe. Durch die große early-taper Tip kam ich nie unter den Harschdeckel, konnte genug Druck aufbauen um den Deckel zu durchbrechen und blieb dennoch oben auf.

Bei gemischtem, zerfahrenem oder aufgefirntem Schnee ist der Couturier eine Allzweckwaffe und macht sogar beim Carven auf der Piste Spaß – wenn man dagegen halten kann und nicht das blanke Eis durchkommt (dafür ist er einfach zu breit)!

Natürlich ist der Couturier mit seinem niedrigen Gewicht nicht so laufruhig wie andere schwerere, abfahrtsorientierte Ski. Dennoch hat er mich bei bereits ordentlich zerfahrenen Hängen nie im Stich gelassen und hat sich stabiler angefühlt wie ich es erwartet hatte – Wunder diesbezüglich leistet er natürlich keine, ich wurde aber positiv überrascht.

Was mich sehr beeindruckt hat, ist, dass man durch jedes Gelände und jede Schneeart sportlich carven kann, was ich mir bei 106 mm unter der Bindung nicht so erwartet hatte. Während dieser Carvingschwünge hatte ich immer das Gefühl die Skienden leicht lösen zu können und so am Kurvenende die Geschwindigkeit perfekt kontrollieren zu können.

Auch im steilen Gelände hat man immer die Kontrolle – die lange Vorspannung liefert hervorragenden Grip, das leichte Gewicht macht Jumpturns zum Vergnügen und die Tail ist steif genug, dass der Ski nach hinten raus stabil bleibt.

Was den Belag und die Kanten angeht bin ich von den anderen Ogso Ski, die ich testen durfte sehr begeistert und gehe auch beim Couturier von einer ähnlich exzellenten Haltbarkeit aus. Ich habe dem Schwarztor letztes Jahr viel abverlangt und hatte das eine oder andere Mal das Gefühl den Ski gerade komplett zerstört zu haben, ohne, dass man irgendetwas an den Kanten oder am Belag sehen konnte.

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Unterwegs auf der Wurzeralm bei fast perfekten Bedingungen.

Fazit

Der Couturier ist eine hervorragende Ergänzung zum Schwarztor, der eher einfach und fehlerverzeihender, sowie etwas verspielter zu fahren ist. Der Couturier verlangt dem Fahrer mehr ab, liefert aber auch auf einer größeren Bandbreite an Bedingungen hervorragende Abfahrtsperformance und macht verdammt viel Spaß.

Beide sind als Freeride-Tourenski mit einer der neuen Freeridebindungen – Shift, Tecton, etc. – hervorragend geeignet. Hier muss dann jeder für sich entscheiden: Wer einen verspielten, leichter zu fahrenden Ski sucht, der noch dazu die eigenen Kräfte schont sollte zum Schwarztor greifen. Wer kein Problem damit hat, ein steifes Biest zu zähmen und auf hohes Tempo, gutes Feedback vom Ski, viel „Pop“ und steile Lines setzt sollte zum Couturier greifen.

Ich persönlich finde beide Ski extrem cool zu fahren, würde mich für meine Ansprüche aber meistens für den Couturier entscheiden. Dieser Ski bietet mir das Feedback und die Beschleunigung bzw. den „Pop“ am Kurvenende, welchen ich bei vielen anderen Ski in dieser Mittelbreiten-Kategorie vermisse. Lediglich für richtig fette Powderdays würde ich den Schwarztor oder einen noch breiteren Ski hernehmen.

Der Couturier ist für mich in dieser Saison meine Allzweckwaffe geworden – Powder, Firn, zerfahrenen Offpiste Hänge, Piste,… Er fährt sich in jedem Gelände sehr gut und liefert ein tolles Skivergnügen sowie zuverlässige Performance. Lediglich für ganz lange Touren würde ich zum leichteren und schmäleren Cosmique (Test hier) greifen, der vom Couturier als Allroundski in meinem Sortiment abgesetzt wurde.

Ich könnte mir auch für meine Körpergröße (ich bin 178 cm) die Variante in 178 cm vorstellen, um mit einer leichten Tourenbindung darauf – zum Beispiel der neuen ATK R 12 – eine aufstiegsorientierte Version vom Couturier zu haben. So könnte ich mein abfahrtsorientiertes Setup ergänzen.

Ich freue mich auf die kommende Saison um diesen Ski so richtig auszureizen!


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