Der Ogso Corbets – Eine verspielte Powderwaffe

Nachdem ich nun schon seit fast einem Jahr für genau diesen Winter trainiere, hat es mich umso mehr gefreut, auch dieses Jahr Ski für Ogso testen zu dürfen. Leider hat dieser Winter zumindest nördlich des Alpenhauptkammes ordentlich Startschwierigkeiten, was mich aber nicht davon abgehalten hat, den einen oder anderen Tagestrip in die Südstauregionen rund um den Alpenhauptkamm zu unternehmen. Immer dabei war der Corbets Ski von Ogso, den ich vor allem auf Tour, aber auch an so manchem Tag mit Liftunterstützung testen konnte.

Ich habe den Corbets Ski vom Hersteller gratis zur Verfügung gestellt bekommen, was mich aber in meinem Review nicht beeinflusst.

Ich habe den Corbets in der Länge 187 cm und somit nur unwesentlich länger als mein Couturier (Test hier) der vergangenen Saison oder dem Schwarztor (Test hier) der Saison 18/19. Auch was das Gewicht angeht ist er mit knapp 100 g mehr nur unwesentlich schwerer als der Couturier oder der Schwarztor, hat aber mit 112 mm unter der Bindung knapp über einem halben Zentimeter mehr wie die anderen beiden.

Getestet habe ich den Corbets 110 mit einer Shift-Bindung – montiert bei 82 cm vom Skiende – und meinem neuen Lange XT3 130.

Das sagt der Hersteller

Corbets 110

Superrocker

Carbon Ultralight

[TOURING-SURF-POWDER]

YOU WANT TO TOUR LONG AND FAR BUT STILL WANT TO SURF ON TOP OF THE POWDER, HERE YOU GO. THE CORBETS IS ONE OF THE KINDS.

The CORBETS is a fun ski that makes you smile, an ULTRALIGHT touring ski.

With the SUPER ROCKER, it is made to turn. The short camber makes it extremely agile and versatile. It enjoys surfing and short curves and forgives any mistakes.

The long and high nose tip lets the ski arise and float and diminishes the risk to plunge into the snow and permits you to lean more forward and to stay equilibrated: NO MORE LEANING BACK. Having the gravity of your body balanced and centered helps you save a lot of energy and permits you additional reactivity.

Abmessungen laut Hersteller

Länge: 187 cm

Schaufel: 142 mm

Skimitte: 112 mm

Skiende: 127 mm

Gewicht: 1635 g

Radius: 21 m

Konstruktion

Ogso verwendet beim Corbets die Carbon Leichtbauweise, was ihn für seine Länge mit 187 cm und 112 mm unter der Bindung mit gut 1620 g (gemessen auf meiner Küchenwaage) extrem leicht macht. Die Superrocker-Konstruktion verteilt sich auf ungefähr 30 % Tiprocker, 45% Chamber und 25 % Tailrocker, was ihn extrem wendig und leicht zu drehen macht – unabhängig von der Schneequalität. Diese Aufteilung erinnert sehr an jene des Atomic Bent Chetler 120, der 40 % Chamber und je 30 % Rocker in Tip und Tail hat – ohne Zweifel einer der verspieltesten Ski auf dem Markt.

Die Vorspannung unter der Bindung ist, verglichen mit meinem Schwarztor oder Diable (Test hier) der letzten Saisonen, sehr viel ausgeprägter und auch länger, was ihm wesentlich mehr “Pop” verleiht und man viel mehr Feedback vom Ski bekommt. Kombiniert mit dem Frontrocker, der verglichen mit anderen Skiern doch sehr deutlich ausfällt, wird man regelrecht aus dem Schnee katapultiert, wenn man den Ski zum Kurvenwechsel entlastet. 

Auch die Mittelbreite von 112 mm ist für die Powder-Tage der Ostalpen mehr als genug. Sollte es dann doch mal bodenlosen Powder geben, hat der Corbets aufgrund der Mittelbreite und des Rockers super Auftrieb.

Der Flex entspricht dessen, was ich mir von einem sehr verspielten Powder-Ski erwarte! Mehr gibt es fast nicht zu sagen. Ich mag tendenziell eher Ski mit hartem Flex und ich würde den Corbets als eher steif unter der Bindung beschreiben, jedoch nicht “bockhart” wie ein Scott Scrapper 115 Pro Model oder Faction Dictator 4.0 – die spielen was das angeht in einer anderen Liga. Der Rocker vorne ist nicht so hart wie der Bereich mit Vorspannung und ist etwas weicher als der Rocker hinten, was dem Corbets hinten raus viel Stabilität gibt – vor allem bei schnellem Tempo oder Sprüngen. 

Das Skiende ist mit einem Schockabsorber versehen, welcher eine gerade Auflagefläche für Felle bietet. Die ABS-Sidewall geht rund um den Ski und wird nur durch den eben genannten Schockabsorber unterbrochen.

Performance

Ähnlich wie beim Couturier oder beim Schwarztor ist auch beim Corbets die Aufstiegsperformance stark durch dessen leichtes Gewicht beeinflusst. Zusätzlich macht sich hier aber die längere Chamber im Vergleich zum Schwarztor der Vorjahre bemerkbar – man hat schlicht mehr direkte Auflagefläche auf dem Schnee bzw. mehr Kantenlänge, was sich vor allem bei harten Bedingungen bemerkbar macht, wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass Gehen mit solchen Mittelbreiten bei hartem Untergrund nie wirklich angenehm ist.

Einzig beim Aufstieg während der Touren ist mir aufgefallen, dass sehr viel Schnee auf dem Topsheet haften bleibt. Bei meinen Freunden, die mit auf Tour waren, war das nicht der Fall – gleiche Anfahrt und auch Ski direkt aus dem warmen Auto. Ich habe mir mit einem Anti-Schnee Spray von Holmenkol Abhilfe verschafft, was auch gut funktioniert hat. Seitdem habe ich diesbezüglich keine Probleme mehr.

Ich bin mit meinem Setup – Lange XT3 130 und Shift Bindung – auch am Beginn der Saison schon Touren mit 1200 Höhenmeter gegangen. Ich denke, dass Touren mit 1500 und mehr Höhenmetern gut möglich sind, ohne dass einem danach die Power für die Abfahrt fehlt.

Ist man nach einem langen Aufstieg oben angekommen und hat einen Hang mit 50 cm Powder oder mehr vor sich, weiß man, warum man sich mit einem eher schweren Schuh- und Bindungs-Setup hinauf gequält hat. Hier ist der Corbets 110 zu Hause – Pulverschnee in allen Variationen.

Der Corbets ist extrem wendig und einfach zu drehen. Legt man ihn auf die Kante, wird man förmlich in die Kurve gezogen – der Ski will quasi verspielt gedreht werden und das auch schon bei langsameren Tempo.

Erreicht man eine gewisse Geschwindigkeit und eine gewisse Steilheit, liegt er auch bei höherem Tempo für sein Gewicht sehr ruhig im Schnee und macht alles was man will, ohne dass es wirklich anstrengend wäre. Man surft förmlich über dem Schnee dahin.

Man kann ihn ohne Bedenken steile Hänge hinunter jagen, ohne dass er gegen den Fahrer arbeitet – eher im Gegenteil. Ich hatte bei allen Abfahrten das Gefühl, dass mich der Ski bei dem was ich mache unterstützt.

Ich hatte bei schwierigen, vom Wind bearbeiteten oder zerfahrenen Bedingungen auch sehr viel Freude, da der Corbets einfach über alles hinwegfegt, was ihm in den Weg kommt.

Er fährt sich insgesamt sehr fehlerverzeihend und lässt sich auch noch bei etwas falscher Körperhaltung – z.B. nach Sprüngen – sehr leicht drehen, ohne zu viel Druck von einer Richtung zu bekommen und es einen Ski in eine Richtung fängt.

Am meisten Spaß hatte ich mit diesem Ski in engerem und steilem Gelände – zum Beispiel in steilen Rinnen oder im Wald – wo sich die Drehfreudigkeit wirklich bemerkbar macht und es auch notwendig ist, wendig zu sein.

Auch bei Sprüngen oder Pillowlines macht sich der eher steife Tailrocker bemerkbar, der bei der Landung viel Stabilität gibt, aber trotzdem ein hohes Maß an Wendigkeit liefert, wenn man nach der Landung schnell die Richtung ändern muss.

Verglichen mit dem Couturier könnte der Unterschied, trotz ähnlicher Abmessungen und Gewicht, kaum größer sein. Der Corbets ermöglicht wendiges Kurvenfahren ohne viel Input, wohingegen man beim Couturier wesentlich mehr arbeiten muss, um ein ähnliches Maß an Wendigkeit zu erreichen. 

Der Einsatzbereich des Couturiers ist aufgrund der Konstruktion – längere Chamber und geringere Mittelbreite – größer, wenn zum Beispiel auf Tour verschiedenste Schneebedingungen (harter Schnee, eingeblasen, Powder, Firn, …) auf mich warten. Der Corbets macht aber im Neuschnee oder auch im weichen Schnee mehr Spaß. Auch bei windgepresstem oder eingewehtem Schnee macht sich der Superrocker bemerkbar und man kann auch hier den Ski super drehen und behält immer die Kontrolle.

Wenn es dann doch einmal härter ist oder man auf der harten Piste zum Lift zurück muss, macht sich die hohe Mittelbreite von 112 mm (bei dieser Skilänge) und die relativ kurze Chamber bemerkbar. Man bekommt nicht den Kantengrip wie mit einem Couturier oder Danaides, mit dem man auch auf der Piste noch gut fahren kann, oder wie mit einem Pistenski mit noch geringerer Mittelbreite. Aber diese Einschränkung geht man, wenn man sich so einen Ski wie den Corbets zulegt, hoffentlich wissentlich ein.

Bei wirklich hohen Geschwindigkeiten macht sich das geringere Gewicht doch bemerkbar. Der Corbets liegt, verglichen mit schwereren Skiern ähnlicher Abmessungen, ab einer bestimmten Geschwindigkeit nicht mehr ganz so ruhig im Schnee. Bedenkt man aber seinen Einsatzbereich bzw. seine Konzeption ist dies eine Einschränkung, die man gerne akzeptiert, um damit auch gut touren zu können bzw auch um ein derart hohes Maß an Wendigkeit zu erhalten.

Fazit

Der Ogso Corbets 110 ist der verspielteste Powder-Ski den ich je angeschnallt hatte, der aber gleichzeitig bei höherem Tempo und steileren Lines viel Stabilität und Laufruhe gibt. In Kombination mit einer der neuen Hybrid-Freeridebindungen (hier zum Nachlesen) macht er auf Tour eine gute Figur und ermöglicht es auch ihn im Skigebiet abseits der Pisten mit Liftunterstützung zu verwenden.

Eine weitere Möglichkeit wäre natürlich, für diejenigen, die ausschließlich Touren gehen, auf den Corbets eine Pinbindung zu montieren, um in Gegenden mit viel Schnee auch wirklich lange Anstiege mit weit über 1500 hm in Angriff nehmen zu können.

Durch seine fehlerverzeihende Art eignet er sich auch für Skifahrer, die sich nach den ersten Erfahrungen im Tiefschnee mit zum Beispiel Tourenskiern ein zweites Set für Lift-Tage oder für Touren bei viel Schnee zulegen möchten.

Für pure Anfänger würde ich ihn nicht empfehlen, da er mit seiner Mittelbreite und Länge doch ein gewisses Maß an Technik bedarf. Hier würde ich eher zum Schwarztor oder Cosmique (Test hier) greifen, die zum Einen schmäler sind und zum Anderen etwas leichter, was sie gerade bei langsamerem Tempo oder Jumpturns kraftsparender zu fahren macht.

Der Ogso Corbets ist ein Ski für alle Situationen, in denen man mit Powder oder weichem, zerfahrenem oder vom Wind gearbeitetem Neuschnee in Berührung kommt und fortgeschrittene oder erfahrene Skifahrer werden mit diesem Ski eine Menge Spaß haben. Sei es auf Tour oder beim Freeriden im Skigebiet, dieser Ski macht Spaß!

Für mich ist der Corbets Ski zu einem „Immer-dabei-Ski“ geworden. Sei es für Touren oder für einen Tag am Lift, falls es doch mehr Schnee hat als gedacht. Er ist aber gerade für Tage mit guter Schneelage zu meiner ersten Wahl geworden. Ich hatte selten so viel Freude beim Skifahren und vor allem am Kurven-Fahren, wie bei den letzten Touren, wo ich ihn durch Wald oder Rinnen mit viel Neuschnee getrieben habe!


2 Gedanken zu “Der Ogso Corbets – Eine verspielte Powderwaffe

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