Der Ogso Schwarztor – vielseitig auf Tour

Im Frühjahr 2018 habe ich – fast wie jedes Jahr – die Presseauftritte vieler Marken im Sektor Outdoor und Bergsteigen verfolgt und bin dadurch auf die französische Marke Ogso aufmerksam geworden. Was ich dadurch entdeckte, war ein eher kleines, aber sehr feines Sortiment verschiedenster Skimodelle, vorwiegend für den „Offpiste-Bereich“, also fürs Gelände abseits der Pisten, entworfen. Der Freeride-Gedanke wird auch bei der Namensgebung beibehalten, so werden die Skimodelle nach bekannten Skiabfahrten und Steilrinnen benannt.

Ogso stellt erst seit 2015 Skier her und ist daher im deutschsprachigen Raum noch eher unbekannt. Die Skier werden so entworfen, dass sie bei jeder Schneelage funktionieren – natürlich mit konstruktionsbedingten Einschränkungen. So wird ein 100 mm breiter Ski nicht so gut auf einer eisigen Piste halten, wie ein Ski mit 70 mm. Das Ziel der Skidesigner war nicht, einen Ski zu entwerfen, der in einem Teilbereich der Beste ist, sondern der unter allen Bedingungen funktioniert, den Skifahrer unterstützt und ein energiesparendes Skivergnügen ermöglicht – ein echter Allrounder also!

Was mich beim Durchforsten des Sortiments besonders begeisterte, war die Ultralight-Serie – ungefähr 1500 g für einen Ski mit 106 mm unter der Bindung ist schon sehr beeindruckend. Kurzerhand entschloss ich mich, Ogso zu kontaktieren, ob sie mir einen ihrer Ski für Testzwecke zur Verfügung stellen würden. Nur etwas später kam die sehr nette und überraschende Antwort, Ogso würde mir den „Ogso Schwarztor 100s“ aus der Ultralight-Serie umsonst zur Verfügung stellen! Als Gegenleistung erklärte ich mich bereit, den Ski in allen Bedingungen zu testen und meine Erfahrungen auf meinem Blog festzuhalten. Dieser Review entstand also in Kooperation mit Ogso, wobei ich betonen möchte, dass dies meine ehrliche und ungefilterte Meinung darstellt (was auch der ausdrückliche Wunsch von Ogso ist!).

Ogso Schwarztor 100s

“Climb high and Surf” – so lautet das Motto, welches die Seite des Skis ziert und das ist auch Programm. Er ist Teil der Carbon Ultralight-Serie sowie der 100s-Serie, was sich auf die Mittelbreite des Skis bezieht. Aufgrund seiner Konstruktion ist er leicht genug für längere Aufstiege, aber auch breit genug, um auf dem Schnee zu “surfen”. Es gibt noch eine Variante der Ultralight-Serie mit 110 mm und mehr (je nach Länge) unter der Bindung für noch mehr Powderperformance, jedoch finde ich, dass die Mittelbreite von 100 mm (bzw. bei mir 106 mm) mehr als ausreichend für die österreichische Ostalpen-Powdertage ist.

Für aufstiegsorientiertere Tourengeher, die dennoch Abfahrtsperformance wollen, gibt es eine Variante mit 90 mm (je nach Länge auch etwas mehr) und eine Variante mit gut 80 mm.

Das sagt der Hersteller (auf Englisch):

“The brand new Schwarztor 100s facilitates turns and permits you to pivot. It’s energetic and versatile.

The Schwarztor ski ensures a balanced skiing, so you float smoothly and relaxed having an absolute exceptional experience. It gives an ease in the steep and in the very technical terrain or in the trees. At the same time you can go amazingly fast and stable.”

Hier die Spezifikationen für den Schwarztor in 186 cm Länge zusammengefasst:

Gewicht lt. Hersteller: 1575 g

Breite in mm lt. Hersteller: Tip – Mitte – Tail: 138 – 106 – 122

Radius: 20 m

Empfohlene Schuhmitte: 79 cm vom Skiende

Getestet habe ich den Ski mit der Fritschi Tecton 12 – Bindung und dem Atomic Hawx Ultra XTD 130 Skischuh.

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Der Ogso Schwarztor bei der Montage der Tecton 12 mit dem Hawx Ultra XTD 130.

Eigenschaften des Ogso Schwarztor 100s

Ausgestattet ist der Ogso Schwarztor mit einem sehr stark ausgeprägtem Rocker an der Skispitze, laut Ogso dem “Super-Rocker”, der ihm guten Auftrieb verleiht und bei einer Mittelbreite von 106 mm (in meinem Fall) eher außergewöhnlich ist. Solche stark ausgeprägten Rocker findet man eigentlich nur bei richtig breiten Freerideskiern.

Aus diesem Rocker ergibt sich eine eher kurze Chamber – der Bereich unter der Bindung mit Vorspannung. Diese wiederum geht in einen Tailrocker über, welcher nicht so stark ausgeprägt ist wie der bei der Skispitze. Beide Skienden haben einen “Early-Rise”, das heißt, sie beginnen sich sehr bald nach oben zu biegen und erleichtern so das Einleiten der Kurven.

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Hier sieht man den „Super-Rocker“ und den früh ansetzenden „Early-Rise“, sowie die kurze „Chamber“ unter der Bindung.

Die Konstruktion am Skiende ist (für mich als Tourengeher sehr praktisch) keine „Twin-Tip-Konstruktion“ wie zum Beispiel bei Freestyle-Skiern, stattdessen wurde ein gerader Abschluss aus Kunststoff eingebaut, der ein Einhängen von Fellen sehr leicht macht und auch kein Adapter wie bei Twin-Tip-Skiern notwendig ist.

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Der Tail des Skis ist gerade und erleichtert ein Einhängen von Fellen.

Die empfohlene Skischuhmitte ist freeride-optimiert und eher weiter hinten, kann aber je nach Können und Fahrstil noch angepasst werden – dazu sollte man sich aber im Fachhandel beraten lassen.

Kombinieren sollte man diesen Ski auf jeden Fall mit einer abfahrtsorientierten Bindung sowie einem festen Tourenschuh (Zur Bindungswahl hier mein Beitrag zu Tourenbindungen). Um die Ultralight-Qualitäten des Skis voll auskosten zu können, sollte idealerweise auch hier auf das Gewicht geachtet werden.

Erste Touren – der Ski auf der Piste, im Pulverschnee und im Matsch

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Die ersten Meter auf einem schmalen Schneeband.

Da die Tourensaison eher spät angefangen hat, habe ich die ersten Höhenmeter auf Pistentouren bewältigt und hatte eher suboptimale Bedingungen für genussvolle Abfahrten. Wenigstens konnte ich den Ski so gleich unter Worst-Case-Bedingungen testen – eisiger Kunstschnee gemischt mit weichem, sulzigen Schnee. Auch auf dem schmalen Schneeband, das mir zur Verfügung stand, konnte ich den schlechten Bedingungen zum Trotz entspannt und ohne großen Kraftaufwand abfahren.

 

Die ersten Meter im Pulverschnee waren schlicht traumhaft. Bei fast 50 cm Neuschnee schwamm der Ski perfekt auf. Er ermöglicht mir kurze, kontrollierte Schwünge ohne großen Aufwand im Steilen und bei längeren Kurvenradien bei erhöhtem Tempo macht er erst richtig Spaß.

Der lange Rocker macht das Kurveneinleiten leicht und man kann je nach Belieben Kurvenradius und Tempo anpassen – und das sowohl bei Stemmschwungtechnik als auch bei Carvingtechnik. Der Ski gibt sehr gutes Feedback und reagiert auf Veränderungen wie Körperhaltung oder vermehrten Druck sofort, verzeiht dabei aber Fehler wie z.B. zu viel Rückenlage, Oberkörper verdrehen oder zu viel Vorlage eher großzügig.

Das klassische „Hinten-Reinsetzen“, welches gerne von vielen Skifahrern angewendet wird, um den Ski aufschwimmen zu lassen, ist beim empfohlenen Montagepunkt der Schuhmitte nicht nötig. Der Ski kommt vorne schön aus dem Schnee, auch wenn man aggressiv nach vorne gelehnt am Ski steht – was gerade bei hohem Tempo und langen Radien einfach nur Spaß macht.

Im Firn konnte ich den Ski noch nicht testen, kann mir vorstellen, dass er auch da eine sehr gute Figur macht.

Auf der Piste macht er trotz seiner Breite auch Spaß – wobei man ihn natürlich nicht mit einem perfekt auf die Piste abgestimmten Race-Carver vergleichen kann. Einzig auf steilen, eisigen Pisten ist die Mittelbreite spürbar, da man weniger Druck auf die Kante bekommt. Auf zerfahrenen und weichen Pisten macht sich aber sein Super-Rocker bezahlt, da man mit relativ wenig Aufwand über alle Hügelchen oder Spuren hinweggleitet.

Beim Aufstieg spielt der Ski sein geringes Gewicht voll aus und man kann auch längere Touren und viele Höhenmeter damit zurücklegen. Auch Spitzkehren sind mit der Skilänge von 186 cm bei meiner Größe von gut 1,80 m kein Problem und ich freue mich direkt auf das Anlegen neuer Spuren, da der Ski verglichen mit schmalen Latten auch beim Spuren nicht stark einsinkt.

Der Flex des Skis ist sehr angenehm, im Bereich des Rockers weich genug, um ihn im Schnee hochkommen zu lassen, aber hart genug unter der Bindung und dem “Early-Rise” vorne, um Carvingschwünge fahren zu können. Diese Steifigkeit in der Skimitte gewährleistet zudem auch guten Kantenhalt, mit den oben genannten Einschränkungen (Eispisten). Richtung Skiende wird er wieder etwas weicher, um einen spielerischen Kurvenausgang bzw. gute Geschwindigkeitskontrolle zu ermöglichen, was mich besonders begeisterte!

 

Was mich nach den ersten Touren wirklich überrascht hat, war die Haltbarkeit des Belags. Ich habe mehrere Steine, Äste und ähnliches touchiert und rechnete schon mit dem Schlimmsten – aber bis jetzt lediglich ein paar kleine Kratzer. Einzig auf der Oberseite des Skis löste sich nach einem Zusammenstoß eine kleine Stelle des Topsheets und wenige Lagen Carbon. Zum Glück konnte ich diese Schramme selbst mit etwas Zwei-Komponenten-Epoxy-Kleber reparieren.

Auch die Kanten versprechen eine gute Haltbarkeit, da Ogso nicht bei der Kantenstärke gespart hat (was bei so manch anderem Ultralight-Ski zum Problem werden kann!).

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Vor allem in wechselnden Verhältnissen zeigt der Ski was er kann.

Fazit

Der Schwarztor der Ultralight-Serie schafft es, Aufstiegs- und Abfahrtsperformance sehr gut zu kombinieren und sieht dabei noch top aus. Er wurde definitiv für den Freeride-Bereich entwickelt und zeigt hier auch seine Stärken. Durch sein geringes Gewicht ermöglicht er ein entspanntes Aufsteigen, so spart man Kraft fürs Runterfahren. Die Konstruktion ist top durchdacht und macht sich in der Fahrperformance deutlich bemerkbar, besonders bei Abfahrten mit verschiedenen Anforderungen kann der Ski sein Potential ausschöpfen. Trotz seines Ultralight-Anspruches wurde nicht am falschen Ende gespart, meiner Meinung nach wurde ein guter Kompromiss zwischen Haltbarkeit und Gewicht gefunden.

Im Vergleich zu meinem anderen Freeride-Ski (Black Crows Atris) ist er wesentlich leichter, aber leistet in Sachen Abfahrt mindestens genauso viel und schwimmt sogar noch besser auf.

Ich bin wirklich absolut begeistert von diesem Ski und würde ihn mir aufgrund des tollen Preis-Leistungsverhältnis auf jeden Fall wieder zulegen!


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