Packlistenoptimierung – Eine „Never-Ending-Story“

Auch wenn es dieses Jahr leider nicht ins gelobte Land geht (ich spreche natürlich von Lappland), macht sich ein gewisses Maß an Fernweh breit und ich schwelge in Fotos und Karten der letzten Tour (Bericht hier). Damit sich meine Wanderenergie nicht zu sehr anstaut, habe ich begonnen, meine Packliste vom letzten Jahr (Nachzulesen hier) zu überarbeiten. Das Ergebnis ist eine sehr abgespeckte Ausrüstungsliste, die (im Gegensatz zu vielen Ultralight-Listen für z.B. die langen Trails in Amerika wie Pacific-Crest-Trail) für Nordskandinavien ausgelegt ist und noch genug Reserven, wie z.B. für Schnee und Frost, bereithält.

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Der Weg zu den Kaitum-Hütten

Grundsätzlich wollte ich mein Grundgewicht auf deutlich unter 10 kg reduzieren und meine Nahrungsmittelrationen so planen, dass sie beim geringsten möglichen Gewicht das optimale Gleichgewicht zwischen Kalorien und Gesamtgewicht bieten. Das bedeutet Nahrungsmittel, die unter 400 kcal pro 100 g haben, kommen mir nicht mehr in den Rucksack.

Insgesamt habe ich die meisten Einsparungen durch schlichtes Weglassen erreicht. Ich könnte zusätzlich noch den einen oder anderen Gegenstand durch ein leichteres Modell – zum Beispiel beim Rucksack – austauschen und so noch 1 kg sparen, aber ob es das wirklich wert ist, muss ich mir noch überlegen.

Einige Ausrüstungsbestandteile haben sich letztes Jahr hingegen bewiesen und kommen auf jeden Fall wieder mit nach Skandinavien. Mein Cumulus Quilt (Review hier) hat sich für mich am meisten bezahlt gemacht – ich habe in den Nächten weder gefroren noch war mir zu heiß. Wir hatten aber glücklicherweise keine wirklich kalten Nächte in Schweden erlebt und so kann ich seine Performance um den Nullpunkt nur schätzen. Ich denke aber, dass es dann schon etwas frisch sein könnte und ich mir eine Schicht extra überziehen muss. Auch die Tatsache, dass ein Quilt keine Kapuze hat, hat mich nicht gestört – teilweise war es sogar sehr angenehm kühl oder ich musste einfach zwischen
Haube, Buff und Kapuze variieren, um meine Wohlfühltemperatur zu erreichen.
Zusätzlich war die Therm´a´Rest NeoAir X-Lite eine Bereicherung – selten habe ich auf einer Isomatte besser geschlafen! Einfach zu handhaben und sehr bequem – was ich auf die quer liegenden Luftkammern zurückführe – sie kommt sicher auch die nächsten Male mit nach Schweden.
Toll hat sich auch mein Snow Peak Kochset (bestehend aus Topf mit Deckel und einer Tasse) geschlagen. Leicht, robust und mit perfektem Größe-Nutzen-Verhältnis – mehr gibts hier (bald) zum Nachlesen.

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Hier im Biwak mit dem Quilt, der NeoAir und dem SnowPeak Kochset im Vordergrund.

Ein Ausrüstungsgegenstand, den ich schlicht wegreduziert habe, ist meine Softshell-Jacke – ja ich hatte letztes Mal eine mit und habe diese auch oft getragen, aber wirklich notwendig war sie nicht. Ich trug sie meistens über meinem Baselayer und nutzte so kaum meine Fleecejacke – diese Zwischenschicht wäre auch an der Front, dem Schulterbereich und Teile des Rückens winddicht gewesen. Für wirklich kalten Wind und schlechtes, wechselhaftes Wetter werde ich in Zukunft einfach meine Hardshell direkt über das Baselayer oder einfach eine Schicht dazwischen anziehen.
Was ich mir aber alternativ zu einer Softshell oder einer Isolationsschicht mit windabweisenden Flächen vorstellen könnte, wäre ein ganz dünnes Fleece (z.B. der Bitihorn Powerdry-Pullover von Norrøna, 228 g) kombiniert mit einer ganz leichten Windjacke (z.B. Skinfit Vento Hooded Jacket light, 100 g). Das würde ein modulares Kleidungssystem ergeben und gerade mal etwas über 300 g wiegen.

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Auch wenn ich die Keb Jacket sehr gerne habe, werde ich sie nächstes Mal zuhause lassen.

Beim Baselayer werde ich für die nächste Tour auch ein anderes Shirt nehmen. Es wird wahrscheinlich wieder ein Langarm-Shirt sein, da ich diese für Skandinavien als am sinnvollsten erachte, nur diesmal wird es kein Merino-Mix-Gewebe sein, sondern ein reines Merino Shirt von Icebreaker. Da ich während der letzten Tour wegen des kalten Windes immer wieder eine Schicht über dem Mix-Gewebe-Shirt tragen musste (obwohl die Sonne schien) und ich bei der Softshell als extra Schicht sparen möchte, habe ich mich für den Wechsel entschieden.

Für die Kungsleden-Tour letzten Sommer wäre geplant gewesen, auch zu Mittag warm zu kochen und warm zu essen. Leider hatten wir nur zweimal die Motivation, das dann auch zu tun. Daher meine Entscheidung für kommende Touren mittags nur zu “snacken” – Müsliriegel, Nüsse in allen Variationen oder Chips (die es bei den Hütten entlang des Kungsleden zum Beispiel zu kaufen gibt). Da wir statt der geplanten sieben Tage nur fünf unterwegs waren, haben wir auch einiges an Trekking-Mahlzeiten wieder mit nach Hause genommen und ich werde die Essensrationen das nächste Mal etwas knapper planen.

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Gerade bei Regen oder instabilen Wetter bedarf es viel Motivation das Kochset auszupacken.

Ein weiterer Punkt ist unser Zelt und vorweg gleich – ich liebe es! (Review hier) Es ist ein Palast für zwei und wiegt gerade einmal 2kg (2,7kg mit Footprint). Wenn ich allerdings nicht mit meiner Freundin unterwegs bin, hätte ich ein wenig Bedenken, mein Nordisk Oppland 3 LW wieder mitzunehmen. Mit engen Freunden könnte ich es mir durchaus auch vorstellen, wäre aber nicht überrascht, wenn es bei über 5 Tagen Tourzeit zu kleinen Unstimmigkeiten kommen könnte und wir uns in einem gemeinsamen Zelt auf die Nerven gehen würden. Möglich ist auch, dass die zweite Person eine andere Art des Ausrüstungsmanagements hat, da ich sehr penibel und genau bin – oder anders
gesagt: ich bin ein Packsack-Fetischist und muss alles immer ordentlich und sinnvoll im Zelt verstaut haben. Wegen der genannten Gründe könnte ich mir für die nächste Tour auch Solozelte für mich und meinen Begleiter vorstellen, was bei einem Zeltgewicht von je 1,2kg auch leichter wäre, als unser Oppland mit Footprint.

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Unser geliebtes Oppland in Kvikkjokk

Ich überlege auch, ob ich wirklich wieder meine schweren, eher steifen Trekkingstiefel anziehen würde oder ob ich auf Leichtwanderschuhe umsteige. Leichtere Wanderschuhe würden ein angenehmeres Abrollen ermöglichen und wären auch nicht so schwer – sprich man kann längere Strecken gehen, ohne zu ermüden. Außerdem wäre mein Rucksackgewicht deutlich geringer und ich bräuchte daher nicht unbedingt wadenhohe Stiefel als Knöchelschutz. Zusätzlich habe ich die letzten Touren in den Alpen immer mit Halbschuhen absolviert und hatte nie Probleme mit der Trittsicherheit (Nachzulesen hier).

Sehe ich mir meinen aktuellen Entwurf meiner Packliste an, ist der Unterschied zu meiner ersten für die Islandreise vor 4 Jahren schon deutlich ersichtlich. Ich möchte fast sagen, die alte Liste erfüllt mich mit Grauen – wir hatten echt viel Zeug mit, das wir nicht brauchten oder das einfach fehl am Platz war, bzw. machten grundsätzliche Fehler beim Packen – wir nahmen beispielsweise rohe Linsen mit anstatt fertige, gefriergetrocknete Gerichte – eine kleine Kalorien-Gewichtsbilanz-Katastrophe – und wir mussten diese erst kochen, was auch ein riesen Gasverbrauch war.

Weitwandern ist ein sehr schöner Sport, man kann sich das Leben aber je nach Ausrüstung und Packverhalten sprichwörtlich schwer oder leicht machen. Dies kann durchaus den Unterschied machen, ob ich eine Tour entspannt genießen kann oder ob ich mir jeden Kilometer hart erkämpfen muss. Natürlich kann man Weitwanderwege wie den Kungsleden mit 25 kg am Rücken beginnen, jedoch sollte man gut überlegen, was man mitnimmt, ob man das braucht und ob man das Gewicht auch nach einigen Tagen noch “ertragen” kann. Für mich ist inzwischen klar, dass der Leichtgewichtsgedanke ein essentieller Punkt in der Planung meiner nächsten Touren sein wird. Ich gehe nicht in die wilde Natur Lapplands, um kulinarische Hochgenüsse zu erleben, sondern um die Natur zu erleben.

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Blick von unserem Zeltplatz Richtung Kebnekaise-Massiv

Nahrungsmittel oder die Ausrüstung sind hier nur Mittel zum Zweck und sollen so optimal wie möglich sein – leicht, robust, mit Reserven für den Notfall – damit ich über 20 km pro Tag hinter mich bringen kann. Natürlich könnte ich das an die Spitze treiben und mir eine Ultralight-Ausrüstung zusammenstellen, die für Skandinavien ausgelegt ist und nur 6 kg wiegt. Jedoch ist es fraglich, ob ich mir das leisten kann und will oder ob ich so nicht auf so manchen Luxus oder Reserven verzichten müsste – zum Beispiel mein Sitzkissen, oder Topf und Tasse.

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Auch wenn ein Bier nicht Ultralight ist – es ist einfach herrlich so den Tag ausklingen zu lassen!

Mein Ziel wäre es, für 10 Tage mit knapp 15kg am Rücken starten zu können, dabei komplett autark zu bleiben und die Hütten, sollte es welche geben, nur zum Rasten oder im Extremfall auch als Schlechtwetterschutz zu nutzen.
Um so leichter das Gepäck am Rücken, um so geringer sind die Strapazen und um so größer der Genuss – das ist meine Devise. Es gibt viele Möglichkeiten die Natur während einer Trekkingtour zu genießen und jeder muss seine Art zu trekken finden. Ich denke ich habe meine gefunden und freue mich auf die nächsten Touren.


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